Schafe und Ziegen bei Kälte: Unterstand, Fütterung & Klauenpflege (2026)
Schafe und Ziegen gelten als genügsam und robust – und das sind sie auch. Doch wenn es im Spätherbst nass, windig und kalt wird, zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den beiden Arten. Was dem Schaf mit seiner dichten Wolle wenig ausmacht, kann einer Ziege schnell zusetzen.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie Schafe und Ziegen mit Kälte umgehen, welchen Unterstand sie brauchen, wie du sie in der kalten Jahreszeit richtig fütterst und tränkst und warum die Klauenpflege gerade jetzt so wichtig ist.
- Kälte vertragen Schafe und Ziegen gut. Das eigentliche Problem sind Nässe, Wind und matschiger Boden.
- Ziegen sind deutlich nässeempfindlicher als Schafe und brauchen immer einen trockenen Rückzugsort.
- Ohne frisches Gras sind gutes Heu, Mineralfutter und frostfreies Wasser die Basis.
- Klauen regelmässig kontrollieren und schneiden: Nässe begünstigt Moderhinke und andere Klauenprobleme.
Schaf oder Ziege: wie unterschiedlich sie mit Kälte umgehen
Auf den ersten Blick haben Schafe und Ziegen ähnliche Ansprüche. Beim Wetterschutz unterscheiden sie sich aber deutlich:
Wolle als Mantel
Die dichte Wolle isoliert hervorragend. Das Wollfett lässt Regen abperlen, und die Haut bleibt meist trocken.
Gut im Freien
Bewollte Schafe halten sich auch bei Kälte gern draussen auf. Frisch geschorene Tiere brauchen dagegen mehr Schutz.
Kein Regenmantel
Ziegenfell ist nicht wasserabweisend. Ist es einmal durchnässt, kühlt das Tier schnell aus.
Ab ins Trockene
Ziegen meiden Regen konsequent und suchen bei Nässe sofort ihren Unterstand auf. Er muss immer erreichbar sein.
Dazu kommt: Ziegen haben meist weniger Körperfett als Schafe und reagieren empfindlicher auf Zugluft. Wer beide Arten gemeinsam hält, sollte den Unterstand deshalb nach den Bedürfnissen der Ziegen ausrichten.
Der richtige Unterstand
Gemäss Tierschutzverordnung brauchen Tiere, die dauernd im Freien gehalten werden, Schutz vor extremer Witterung. Für Schafe und Ziegen heisst das vor allem: ein trockener, windgeschützter Liegeplatz, den alle Tiere gleichzeitig nutzen können.
Trocken liegen
Der Liegebereich sollte trocken und gut eingestreut sein. Ziegen schätzen zusätzlich erhöhte Liegeflächen, zum Beispiel Podeste oder Bretter, auf denen sie nicht direkt auf dem kalten Boden liegen.
Windschutz statt Zugluft
Die offene Seite des Unterstands zeigt am besten weg von der Hauptwindrichtung. Frische Luft ist wichtig, Zugluft auf Liegehöhe dagegen nicht.
Genug Platz für alle
Rangniedrige Tiere werden bei Platzmangel schnell verdrängt. Plane den Unterstand so, dass alle Tiere gleichzeitig Platz finden, und sorge für einen breiten Zugang.
Eingang befestigen
Der Bereich vor dem Unterstand wird bei Nässe schnell zur Schlammzone. Eine befestigte Fläche oder eine Schicht Holzhackschnitzel hält die Klauen trockener.
Fütterung in der kalten Jahreszeit
Sobald die Weide kaum noch wächst, muss das Futter aus der Raufe kommen. Schafe und Ziegen sind Wiederkäuer: Bei der Verdauung von Raufutter entsteht im Pansen Wärme, die den Tieren hilft, sich von innen warm zu halten. Gutes Heu ist deshalb in der kalten Jahreszeit die wichtigste Energiequelle.
| Futter | Worauf achten? |
|---|---|
| Heu | Staub- und schimmelfrei, in ausreichender Menge. Ziegen fressen wählerisch und verschmähen Heu, das am Boden lag oder verschmutzt ist. |
| Mineralfutter und Leckstein | Ganzjährig anbieten. Achtung: Schafe reagieren empfindlich auf zu viel Kupfer. Verwende deshalb für Schafe ein spezielles Schafmineral, und lass dich bei gemeinsamer Haltung mit Ziegen beraten. |
| Kraftfutter | Nur bei Bedarf und in kleinen Mengen, etwa für tragende oder säugende Tiere. Futterumstellungen immer langsam vornehmen. |
| Saftfutter | Futterrüben, Karotten oder Äpfel als Ergänzung, in Massen und nicht gefroren. |
Eine geschützte Heuraufe hält das Heu trocken und sauber und verhindert, dass es zertreten wird. Gerade bei Ziegen spart sie viel Futter, weil sie verschmutztes Heu nicht mehr anrühren.
Kondition im Blick behalten: Unter der Wolle sieht man einem Schaf nicht an, ob es abnimmt. Taste deshalb regelmässig Rücken und Rippen ab. Ist ein Tier auffallend mager, frisst es schlecht oder bleibt es zurück, solltest du die Ursache abklären lassen – häufig stecken Parasiten oder Zahnprobleme dahinter.
Wasser: auch bei Kälte unverzichtbar
Mit dem Wechsel von Gras auf Heu steigt der Wasserbedarf, denn die Tiere nehmen kaum noch Flüssigkeit über das Futter auf. Je nach Grösse, Futter und Trächtigkeit trinkt ein Schaf oder eine Ziege rund drei bis zehn Liter pro Tag. Eiskaltes Wasser oder eine eingefrorene Tränke führen dazu, dass die Tiere zu wenig trinken.
Plane die Wasserversorgung deshalb frühzeitig. In unserer Tränketechnik für Schafe findest du passende Lösungen, und unser Ratgeber zu frostsicheren Tränken zeigt dir, wie du Tränken und Leitungen vor Frost schützt.
Klauenpflege: gerade jetzt besonders wichtig
Nasser, matschiger Boden weicht das Klauenhorn auf. Gleichzeitig nutzt es sich auf weichem Untergrund kaum ab und wächst über. In den Spalten zwischen überwachsenem Horn sammeln sich Schmutz und Keime – ideale Bedingungen für Moderhinke, eine ansteckende und schmerzhafte Klauenerkrankung bei Schafen und Ziegen.
So kontrollierst du die Klauen
- Gangbild beobachten: Lahmt ein Tier, grast es auf den Knien oder belastet es ein Bein auffällig wenig, ist das oft ein erstes Zeichen für Klauenprobleme.
- Tier sicher fixieren: Schafe werden für die Klauenpflege meist auf das Hinterteil gesetzt, Ziegen fixiert man in der Regel stehend. Eine zweite Person hilft.
- Klauen reinigen und ansehen: Schmutz entfernen und auf überwachsenes Horn, Risse, Rötungen und Geruch achten. Ein fauliger Geruch zwischen den Klauen ist ein Warnsignal.
- Überstehendes Horn schneiden: Mit einer scharfen Klauenschere das überwachsene Horn vorsichtig zurückschneiden, bis die Sohle wieder eben ist. Nicht zu tief schneiden, sonst blutet die Klaue.
- Auffällige Tiere absondern: Bei Verdacht auf Moderhinke das Tier von der Herde trennen und die Tierärztin oder den Tierarzt beiziehen. Werkzeug nach jedem Tier reinigen.
Moderhinke in der Schweiz: Seit Oktober 2024 läuft ein nationales Programm zur Bekämpfung der Moderhinke bei Schafen. Informationen dazu, was das für deine Haltung bedeutet, erhältst du beim kantonalen Veterinärdienst oder beim BLV.
Weide und Zaun für die nasse Jahreszeit
Auf nassem Boden ist die Grasnarbe besonders empfindlich. Ein fester Winterauslauf, ergänzt durch einzelne Weideflächen, die nur bei trockenem Wetter geöffnet werden, schont die Weide für das nächste Jahr. Mit einem mobilen Weidezaun lassen sich Flächen schnell und flexibel einteilen.
Prüfe dabei auch, ob der Zaun noch ausreichend Spannung führt. Nasses Gras, umgestürzte Äste oder Schnee auf den Netzen können zu Spannungsverlusten führen – und Ziegen testen jeden Schwachpunkt. Wie du deine Zaunanlage in Schuss hältst, liest du in unserem Ratgeber Weidezaun im Herbst pflegen. Alles weitere Zubehör für deine Herde findest du in unserem Schafbedarf.
Deine November-Checkliste für Schafe und Ziegen
- Unterstand auf Grösse, Windschutz und trockene Liegefläche prüfen
- Eingangsbereich des Unterstands gegen Matsch befestigen
- Heuvorrat prüfen und Heuraufe trocken aufstellen
- Mineralfutter passend zur Tierart anbieten
- Tränken für die kalte Jahreszeit vorbereiten
- Klauen kontrollieren und bei Bedarf schneiden
- Körperkondition abtasten, vor allem bei bewollten Schafen
- Zaunspannung und Netze kontrollieren
Häufige Fragen
Wie viel Kälte vertragen Schafe?
Bewollte, gesunde Schafe vertragen Kälte sehr gut. Problematisch werden vor allem Nässe in Kombination mit Wind. Frisch geschorene Schafe, Lämmer und geschwächte Tiere brauchen besonders guten Schutz.
Warum brauchen Ziegen mehr Schutz als Schafe?
Ziegenfell ist nicht wasserabweisend wie die Wolle von Schafen. Wird es durchnässt, kühlen Ziegen schnell aus. Sie brauchen deshalb immer Zugang zu einem trockenen, zugfreien Unterstand.
Was fressen Schafe und Ziegen in der kalten Jahreszeit?
Hauptfutter ist gutes, staub- und schimmelfreies Heu. Dazu kommen ein passendes Mineralfutter, frisches Wasser und bei Bedarf kleine Mengen Kraft- oder Saftfutter, etwa für tragende Tiere.
Wie oft sollte man die Klauen von Schafen und Ziegen schneiden?
Das hängt vom Untergrund und vom Tier ab. Als Faustregel gelten Kontrollen alle paar Wochen und ein Schnitt, sobald das Horn übersteht. Auf weichem, nassem Boden wachsen die Klauen schneller über als auf hartem Untergrund.
Woran erkenne ich Moderhinke?
Typisch sind Lahmheit, Grasen auf den Knien und ein fauliger Geruch zwischen den Klauen. Bei Verdacht solltest du das Tier absondern und die Tierärztin oder den Tierarzt beiziehen, da die Krankheit ansteckend ist.
Die Hinweise zu Gesundheit und Klauenpflege ersetzen keine tierärztliche Beratung. Bei Krankheitsanzeichen wende dich immer an eine Tierärztin oder einen Tierarzt.